Dickdarmoperation durchs Schlüsselloch – laparoskopische Kolonchirurgie

Seit einigen Monaten können wir unseren Patienten am Krankenhaus Neunkirchen eine neue Technik zur Operation des Dickdarmes anbieten. Mit der durch die Gallenblasenoperation bekannten Methode der „Schlüssellochtechnik“ (laparoskopische Operationsmethode) ist es nun möglich, auch ohne großen Bauchschnitt Dickdarmoperationen durchzuführen.

Prinzip

Aus verschiedenen Gründen ist es manchmal nötig, Teile des Dickdarmes zu entfernen. Dies kann wegen einer entzündlichen Verengung, wegen eines Gewächses oder wegen eines Polypen, der sich nicht entfernen läßt, notwendig sein. Bisher erfolgte diese Operation über einen großen Bauchschnitt, der oft vom Brustbein bis in den Unterbauch reichte.

konventioneller Bauchschnitt

laparoskopischer Zugang

Hier sehen Sie die in den Bauchraum eingeführte Optik und zwei Instrumente, die den Darm fassen.

Heute wissen wir, dass diese „Verletzung“ der Bauchdecke dem Patienten oft größere Beschwerden verursacht, als die eigentliche Operation, die ja im Bauchraum geschieht. Außerdem kommt es auch gelegentlich zu Komplikationen dieses langen Schnittes, wie Wundheilungsstörungen oder Abszessen. In weiterer Folge entstehen auch manchmal Narbenbrüche, die oft  einen weiteren Eingriff nötig machen.

All dies ist der Grund, warum man schon seit längerer Zeit versucht, auch bei Darmoperationen dieselbe Technik zu verwenden, wie sie heute bei der Operation der Gallenblase zum Standard geworden ist, nämlich die Laparoskopie.

Laparoskopische Technik

Hier wird die Operation mit langen, dünnen Instrumenten durchgeführt, die über fünf bis zehn Millimeter große Einstiche in den Bauchraum eingeführt werden. Damit man auch sieht, was man im Bauchraum macht, wird über einen weiteren Einstich eine Art „Fernrohr“ mit Beleuchtung in den Bauchraum eingebracht. Diese Optik wird mit einem Videoschirm verbunden und nun können alle im Operationssaal sehen, was im Bauch geschieht.

Diese „Video-Laparoskopie“ ist der entscheidende Unterschied zu früher, wo lediglich der Operateur durch die Optik sehen konnte und alle andern sozusagen „blind“ waren. Daher konnte niemand bei der Operation helfen und die Technik war dadurch auch fast nicht erlernbar.

Operateur, Assistent und Operationsschwester verfolgen am Videoschirm die Operation im Bauchraum.

Technik der Operation

Die Operation selbst erfolgt sehr ähnlich wie beim offenen Zugang durch die Bauchdecke. Es werden die entsprechenden Darmanteile präpariert und herausgeschnitten. Die Entfernung des erkrankten Darmes erfolgt über einen kleinen Schnitt im rechten Unterbauch, vergleichbar mit dem Hautschnitt für eine Blinddarmentfernung.

Obwohl die Übersicht über den gesamten Bauch etwas mühsamer ist, so ist doch die Detailansicht viel genauer und es kann auch an Stellen operiert werden, wo man normalerweise nicht hinsieht.

Die Präparation des Darmes erfolgt mit dem Ultraschallpräparationsgerät, mit dem man besonders blutsparend arbeiten kann. Die Vereinigung der beiden durchtrennten Darmteile erfolgt zumeist mit einem Klammernahtgerät.

Prinzipiell sind fast alle Arten der Dickdarmoperation bis hin zur Mastdarmchirurgie möglich. Dennoch eignen sich (vorerst) nicht alle Patienten für diese Methode. Dies hängt unter anderem von Erkrankung, Allgemeinzustand des Patienten und Art des Eingriffes ab.

Die Vorteile der Operation

  • Der Vorteil für den Patienten in der Erholungsphase ist enorm. 
  • Viel weniger Schmerzen durch nur drei kleine Einstiche und einen kleinen Bauchschnitt etwa in der Größe einer Blinddarmoperation. 
  • Zumeist nur minimaler Blutverlust, in den allermeisten Fällen braucht der Patient keine Blutkonserve.
  • Der Darm erholt sich schneller und auch der Patient fühlt sich in deutlich kürzerer Zeit wieder wohl und fit als nach dem großen Bauchschnitt.
  • Oftmals kommt es durch den großen Bauchschnitt zum Auftreten von Narbenbrüchen. Die Wahrscheinlichkeit von Narbenbrüchen ist durch die kleinen Schnitte fast zu vernachlässigen. Falls es doch dazu kommt, ist das Ausmaß minimal und kann leicht korrigiert werden.
  • Natürlich ist auch das kosmetische Ergebnis deutlich besser.
  • Die meisten Patienten können rascher nach Hause entlassen werden und sind früher wieder voll belastbar.

Die Nachteile der Operation

  • Die Operation ist wegen der vielen Spezialinstrumente erheblich teurer.
  • Die Operation dauert meist länger als eine Operation über Bauchschnitt.
  • Die Operation ist für den Operateur schwieriger durchzuführen.
  • In manchen Fällen ist es dennoch notwendig, dass die Operation über einen herkömmlichen Bauchschnitt beendet werden muss.

Fazit

In Summe bedeutet diese Operationsmethode einen großen Fortschritt für den Patienten, der mit sehr viel Geld vom Krankenhaus und Schweiß des Operateurs erkauft wird. Dennoch ist der Vorteil für den Patienten vergleichsweise ähnlich wie damals bei der laparoskopischen Gallenblasenoperation. Heute kann man sich kaum mehr vorstellen, dass die meisten Patienten vor zehn Jahren noch mit einem großen Bauchschnitt an der Gallenblase operiert wurden.

Hier sehen Sie einen Patienten am achten Tag nach der Entfernung des halben Dickdarmes.